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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






11.02.2020 

"Sturmfluten in Elmshorn": Erste Auflage ist bereits ausverkauft

Vor dem Bau der Sperrwerke an Krückau und Pinnau 1969 trafen die Nordsee-Sturmfluten auch regelmäßig Elmshorn. Bei der Flut in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 zum Beispiel stand das Wasser 1,50 Meter hoch in der Nikolaikirche. Karl Heinz Kuhlemann, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs, hat sich dieser häufig schwerwiegenden Ereignisse im siebten Band der Materialien zur Elmshorner Geschichte angenommen.
Die siebte Ausgabe der Materialien zur Elmshorner Geschichte präsentiert Karl Heinz Kuhlemann (M.) zusammen mit Peter Köhnke (l.) und Gert Planer (r.) vom Stadtarchiv.

Präsentation der Sturmflut-Ausgabe
Foto: Herr Hinz, Stadt Elmshorn

Das Wasser kam am 16. Februar 1962. Böllerschüsse aus der Hochwasserkanone warnten die Elmshorner vor der Flut. Doch alle Schutzmaßnahmen halfen nichts – der Deich brach, zwei Drittel der Stadt standen unter Wasser. Um 1.30 Uhr in der Nacht brach auch das Strom- und Telefonnetz zusammen. Bis 3 Uhr stieg die Flut auf den bis heute unerreichten Höchststand von 5,08 Meter über Normall Null.

Ab Montag im Stadtarchiv erhältlich

Von dieser Katastrophe hat Karl Heinz Kuhlemann im siebten Band der Materialien zur Elmshorner Geschichte jede Menge Bilder aus Elmshorn zusammengetragen. Das Werk unter dem Titel „Sturmfluten in Elmshorn“ konnte ab Montag, 17. Februar 2020, gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro beim Stadtarchiv im Keller der Weißen Villa in der Schulstraße erworben werden. Nach wenigen Stunden war die erste Auflage bereits vergriffen. "Wir versuchen, zeitnah eine zweite Auflage zu realisieren", sagt Stadtarchiv-Leiter Peter Köhnke.

16.02.1962, Ecke Holsten- und Königstraße

16.02.1962, Ecke Holsten- und Königstraße
Foto: Stadtarchiv Elmshorn

In seinen Texten, Karten und Fotos geht Kuhlemann auch auf die anderen verheerenden Sturmfluten an der heimischen Nordseeküste ein. „Ab 1240 sind sie dokumentiert“, sagt der 88-Jährige. Beispielsweise die erste große „Mann-Dränke“ im Januar 1362 mit 200.000 Toten zwischen Ripen (das dänische Ribe) und Elbe oder die große Flut am 4. und 5. Februar 1825, die 789 Menschenleben forderte und in deren Folge die Deiche auf 5,65 Meter erhöht wurden. „Bis 1962 haben diese Deiche auch gehalten“, so Kuhlemann.

Erste Auflage umfasst 150 Exemplare

Für sein neues Werk konnte er auf Bilder zurückgreifen, die er schon bei einem Sturmflut-Vortrag vor ein paar Jahren verwendet hatte. „Die beiden Veranstaltungen waren damals restlos ausverkauft“, erinnert sich Stadtarchiv-Leiter Köhnke. Vor diesem Hintergrund rechne er auch damit, dass die ersten 150 Exemplare der aktuellen Ausgabe schnell vergriffen sein werden. In diesem Fall werde es voraussichtlich noch eine zweite Auflage des 115 Seiten starken Werks geben.

16.02.1962, Königstraße vor der heutigen Eisdiele Victoria

16.02.1962, Königstraße vor der heutigen Eisdiele Victoria
Foto: Per Koopmann

Die Materialien zur Elmshorner Geschichte gibt es seit 2012. Sie sind an die Beiträge zur Elmshorner Geschichte angelehnt, haben aber einen geringeren Umfang als diese. Bisherige Titel lauteten unter anderem „Den Elmshorner Opfern des Zweiten Weltkrieges zum Gedenken“, „Zur Geschichte des früheren Dorfes Vormstegen“ oder „1913 bis 2013: 100 Jahre Abitur an der Bismarckschule Elmshorn“.

Nächstes Thema wird der Bombenangriff 1943

„Die nächste Ausgabe ist schon in Arbeit“, sagt Kuhlemann. Thema sei der Fliegerangriff auf Elmshorn am 3. August 1943. Wie die Sturmflut-Ausgabe soll auch dieses Werk möglichst am Jahrestag erscheinen, so der Geschichtsexperte. Es werde sein letzter Beitrag zu den Materialien zur Elmshorner Geschichte sein, kündigt der 88-Jährige an: „Dann ist Schluss.“

Beispiele für große Sturmfluten:
  • Januar 1362: 200.000 Tote zwischen Ribe und Elbe, erhebliche Landverluste
  • Oktober 1634: 9000 Tote in Nordfriesland, Altnordstrand mit 19 Kirchen und 23 Mühlen versinkt im Meer, nur die Inseln Nordstrand, Pellworm und Nordstrandischmoor bleiben übrig
  • Oktober 1756: 600 Tote in der Seestermüher und Kremper Marsch
  • Februar 1825: 789 Tote, davon 142 in den Elbmarschen
  • Februar 1962: 315 Tote in Wilhelmsburg und Hamburg-Waltershof

 

Autor/Autorin: Herr Hinz, Stadt Elmshorn