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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






14.01.2020 

34. Frauenempfang der Stadt Elmshorn nimmt Sucht in den Blick

Alkohol, Bulimie, Smartphone – Studien zufolge leiden immer mehr Frauen unter einer Sucht. Woran das liegt und welche Wege aus der Abhängigkeit führen, das wollen die Organisatorinnen des 34. Frauenempfangs am Sonntag, 26. Januar, ergründen. Zu der Matinée von 11 bis 14 Uhr im Kollegiumssaal des Rathauses haben sie vier ausgewiesene Expertinnen und eine Sängerin eingeladen. Im Laufe des Jahres sollen weitere Veranstaltungen folgen, deren Themen die Besucherinnen und Besucher des Empfangs mitbestimmen dürfen.
Zum Frauenempfang 2020 laden Sandra Bock (v.l.), Heidi Basting, Ilona Menck-Tapper, Sylvia von Meißner-Fröhlich und Silke Jahnke ein.

Zum Frauenempfang 2020 laden Sandra Bock (v.l.), Heidi Basting, Ilona Menck-Tapper, Sylvia von Meißner-Fröhlich und Silke Jahnke ein.
Foto: Herr Hinz, Stadt Elmshorn

„Aus unserer Sicht ist es erschreckend, dass die Zahl der suchtkranken Frauen so zunimmt“, sagt Heidi Basting, die als Gleichstellungsbeauftragte zusammen mit Vertreterinnen aus der Politik den 34. Frauenempfang der Stadt Elmshorn organisiert. „Sucht ist eines unserer größten gesellschaftlichen Probleme“, so Basting. Dennoch werde es häufig tabuisiert. Mit der Wahl des diesjährigen Themas „Frauen und Sucht“ wollen die Organisatorinnen des 34. Frauenempfangs dazu beitragen, dies zu ändern. Die Matinée im Rathaus steht ohne Voranmeldung allen offen.

Fokus auf Alkohol und Bulimie

Im Mittelpunkt stehen am 26. Januar stellvertretend für alle Suchtformen Alkohol und Bulimie. „Im ersten Block kommen fachliche Frauen zu Wort“, sagt Basting. So beleuchtet Ärztin und Psychotherapeutin Karin Wied, wie sich die Haltung der Gesellschaft und damit auch die Probleme verändert haben. Suchttherapeutin Dagmar Burghardt spricht unter anderem zu ihrer Arbeit und Suchtursachen.

Persönlicher Erfahrungsbericht

Spannend wird im Anschluss besonders der Beitrag von Journalistin Kersten Artus, die ganz persönliche Erfahrungen über Entstehung, Verlauf und Überwindung ihrer Bulimie schildert. „Sehr offen und mutig“, sei das, so Basting. Artus ist auch in einem Dokumentarfilm über mehrere unterschiedliche Suchtbetroffene zu sehen. Diesen will Basting bei einer Folgeveranstaltung zeigen. Für weitere Veranstaltungen im Laufe des Jahres zum großen Thema Sucht können die Besucherinnen und Besucher des Frauenempfangs spezielle Themen vorschlagen. Zum Beispiel, wenn sie mehr über die Abhängigkeit vom Smartphone oder von Medikamenten wissen wollen. „Der Frauenempfang soll nur der erste Aufschlag sein“, so Basting.

Ausstellung "Heldinnen des Alltags"

Abgerundet wird die Expertinnen-Riege durch Elke Lorenz vom FrauenZimmer der Suchtberatungsstelle Freiburg. Sie eröffnet gemeinsam mit Bürgermeister Volker Hatje eine Ausstellung, für die ganz normale Passantinnen in der Freiburger Innenstadt befragt und abgelichtet wurden. Titel: „Heldinnen des Alltags“. Die Fotografin Margrit Müller ist ebenfalls anwesend. „Sich so öffentlich zu positionieren, ist sehr untypisch für Frauen, wie wir lernen werden“, erklärt Heidi Basting. Generell liege bei Frauen in der mangelnden Wertschätzung ihrer Arbeit und Person eine wichtige Ursache für die Entwicklung einer Sucht.

Bewusstsein für die Leistungen der Frauen schaffen

Ziel des Elmshorner Empfangs ist es vor diesem Hintergrund auch, Frauen zu stärken und sie in der Gesellschaft sichtbar zu machen. Über viele Jahrzehnte habe das nicht stattgefunden. „Die Frauen brauchen mehr Anerkennung und Zuspruch in der Dimension der Arbeit, die sie bewerkstelligen müssen“, fordert Silke Jahnke vom Vorbereitungsteam. Haushalt, Familie und Beruf würden ihnen heute sehr viel abverlangen - und damit in einigen Fällen den Grundstein für eine Sucht legen.

Plattdeutsche Lieder

Für etwas Heiterkeit und Abwechslung am 26. Januar sorgt Sängerin Inge Lorenzen. „Sie wird auf Plattdeutsch singen und bringt Lieder, die unsere Thematik berühren“, sagt Heidi Basting.

Sie weist darauf hin, dass anders als in den vergangenen Jahren ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung keine persönlichen Einladungen verschickt werden konnten. Das haben die neuen Datenschutzbestimmungen verhindert.

 

Autor/Autorin: Herr Hinz, Stadt Elmshorn